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Ludwig
Bemelmans |
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Großvater liebte die Stadt. Mein Vater liebte sie nicht. Er nannte sie die Kloake der Welt, benutzte aber einen derberen bayerischen Ausdruck, der in Regensburg als Ausdruck rauher Zuneigung unter Freunden gang und gäbe ist. Bemelmans selbst geht es mit seiner Heimatstadt eher so wie seinem Großvater; vor allem mit zunehmendem zeitlichem Abstand verklärt sich sein Bild von Regensburg. Allerdings kann er die Abneigung seines Vater auch durchaus nachvollziehen: Er hatte nicht so ganz unrecht, denn es war eine langweilige und klatschsüchtige kleine Provinzstadt. Um neun Uhr abends versank Regensburg in Schlaf, seine Umgebung bot nicht viel Abwechslung oder besondere Schönheit, und ich haßte es vor allem, weil ich in das Gymnasium gehen mußte und alle meine Lehrer zum Essen in das Restaurant von Großvaters Brauerei kamen, so daß er immer davon unterrichtet war, daß ich die Examen nicht bestehen würde, daß ich widerspenstig, frech, nie bei der Sache war, immer zu spät kam und schlechten Umgang hatte. Aber bereits seine Mutter hat - in den Augen ihres Vaters - schlechten Umgang. Mit Bemelmans' Vater und dessen Schwiegervater stoßen zwei Welten aufeinander: der belgische Dandy und Bohèmien und der 'reelle' bayerische Brauereibesitzer: Mutter hatte meinen Vater gegen den Willen meines Großvaters geheiratet. Vater war Belgier und Maler und besaß kein Haus; für Großvater waren alle Leute, die kein eigenes Haus besaßen, Lumpen. Ein Lump ist ein mittelloser, fauler, sorgloser Mann, der nicht einmal genug Energie besitzt, um etwas Böses zu tun. Vater hatte auch eine schlanke Figur und legte Wert auf seinen Anzug, und jedesmal, wenn er über den Markt kam, um meine Mutter zu besuchen, die jung und schön war, sagte Großvater: Da kommt schon wieder dieser Fliegenfänger! Er nannte meinen Vater Fliegenfänger, weil er einen so leichten Schritt hatte. Irgendwie vererbt der Vater seinem Sohn die Kunst des 'Fliegenfangens': Ludwig Bemelmans zeichnet und malt und schreibt. Und 1934 erscheint sein erstes Kinderbuch: 'Hansi'. Doch der Durchbruch gelingt ihm erst mit seinem fünften Buch, mit 'Madeline' 1939, die zu seinem größten Erfolg, zu seinem Markenzeichen wird. Es gibt mehrere Folgegeschichten, die im englischsprachigen Raum bis heute immer wieder aufgelegt werden. Anders in Deutschland: Hier geriet Bemelmans in Vergessenheit.
Bemelmans hat es zuerst schwer, für seine 'Madeline' einen Verlag zu finden; man erklärt ihm, dieses Mädchen, diese Anti-Struwwelliese, die noch nicht mal vor Raubtieren Respekt hat („Zum Tiger sagt sie keck im Zoo / In aller Ruhe nur Hoho!“), sei „too sophisticated for children“. Die Kinder - und wohl eine nicht unbedeutende erwachsene Fangemeinde - sind anderer Ansicht; der Erfolg läßt die Bedenken schnell vergessen. Einmal bekanntgeworden, avanciert Ludwig Bemelmans zu einem überaus erfolgreichen Maler, Zeichner, Schriftsteller und Journalisten. Er schreibt und zeichnet u.a. für die Magazine 'Vogue' und 'Town and Country', liefert Titelbilder für den 'New Yorker'. Und auch Regensburg interessiert sich einmal für seinen berühmten Sohn und holt eine Bemelmans-Ausstellung, die von Gabriele Henkel zuvor in Düsseldorf gezeigt wurde, in die Stadt. Ludwig Bemelmans ist kurz zuvor, am 1. Oktober 1962, in New York gestorben. Florian Sendtner |
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Ludwig
Bemelmans:
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