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Marieluise
Fleißers Erwachsenenleben beginnt in den wilden Jahren der Weimarer
Republik mit einem Aufbruch – freilich als Frau im Patriarchat,
gewissermaßen unter der fürsorglichen Aufsicht zweier bedeutender
Männer: zuerst Lion Feuchtwanger in München, der sie dazu
bringt, alles, was sie bis dahin geschrieben hat, zu verbrennen; dann
Bertolt Brecht, den sie nicht nur verehrt, sondern liebt und der sie
mit nach Berlin nimmt und „groß“ machen möchte.
Aber diese Karriere scheitert. Fleißer, die bedeutende Autorin,
scheint für die hektische Produktionsweise in einem gnadenlosen
Markt nicht geschaffen.
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Nachdem
die Kooperation mit den fördernden und fordernden Männern zu
Ende gegangen ist, gerät
sie an die Liebestyrannen, die sie nur noch ausbeuten und aussaugen, vor
allem an den fatalen Möchtegern-Schriftsteller Hellmut Draws-Tychsen,
später dann an ihre Langzeitliebe Bepp Haindl, dessen Liebe sie, mit
einem Horváth-Wort, „nicht entgeht“, und der sie in
die Provinz und in ein enges Ingolstädter Kleinstbürgerleben
zurückholt, dem sie einst entfliehen wollte. Ihre zweite Karriere beginnt,
nach einer furchtbaren Latenzzeit, die sie auch in die Psychiatrie
führte,
nach dem Krieg mit einem Achtungserfolg an den Kammerspielen (»Der
starke Stamm«) und dann, nach Bepp
Haindls Tod, ganz allmählich mit neuen Arbeiten, vor allem der
legendären
Schlüsselerzählung »Avantgarde«, die aber weniger
Dokument, sondern eher Revision und „Erfindung“ (im Sinne
Max Frischs) ihres Lebens ist. Ihre späten Jahre ähneln ihren
Anfängen, nur eben spiegelverkehrt:
Die „alte“ Fleißer wird zur Mentorin einer neuen
männlichen
(!) Schriftstellergeneration. Rainer Werner Fassbinder, Martin Sperr
und Franz Xaver Kroetz, die in ihr ein Schreibvorbild sehen, sorgen
dafür,
dass sie im Suhrkamp-Verlag eine Gesamtausgabe bekommt. Eva Sixt
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