Marieluise
Fleißer:
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Eine oberbayerische Provinzstadt am Ende der 20er Jahre. Wo die Liebe hinfällt: Frieda Geier, die auf ihren eigenen Beinen mitten im Leben steht, sich ohne männliche Hilfe durch die Wirtschaftskrise schlägt und ihrer kleinen Schwester eine höhere Schulausbildung finanziert, verliebt sich in Gustl Gillich, Tabakwarenhändler, Sportkanone, Stolz des örtlichen Schwimmvereins – und Möchtegern-Patriarch. Die Beziehung gestaltet sich als zusehends kompliziert: Aufbrechendes weibliches Selbstbewusstsein und überkommene Konventionen prallen aufeinander. Zu verschieden sind die Vorstellungen von Geschlechterrollen, von Unterwürfigkeit und Dominanz, Bevormundung und Abhängigkeiten. Hinzu kommen später verletzte Eitelkeit und gekränkter Stolz. Die Geschichte endet tragischer, als sie es müsste.
Die Textauswahl auf dem Hörbuch konzentriert sich auf das Dreieck Frieda – Gustl – Linchen und schildert en detail die Schwierigkeiten einer „Selbstständigen“, auf dem „Markt“ zu überleben. Man erfährt aber auch von den Ambivalenzen einer emanzipierten Frau, die ohne Mann nicht sein kann. Jede der drei Personen wird an dem Ort, wo sie sich gerade befindet, zugerichtet und entstellt. Linchen in der strengen, kalten, verbietenden Atmosphäre des katholischen Internats, Frieda, die im Beruf und in der Liebe erfährt, dass alles Eigene bitter erkämpft und bezahlt werden muss, und Gustl, der an einer Rolle festhält, die sich historisch überlebt hat und für die er nicht geschaffen ist. Eva Sixt hat die Textauswahl
besorgt und liest die Geschichte einfühlsam, ausdrucksstark, packend
und mit dem gebührenden bayerischen Grundton in der Stimme. Norbert
Vollath hat mit Bassklarinette, Sopransaxofon und Shruti Box einen
in sich
geschlossenen
Soundtrack
dazu kreiert, der musikalisch das Beziehungsgeflecht der
handelnden Personen illustriert, die Enge einer mittleren Provinzstadt
am Ende der Weimarer Republik, aber auch den häufig aufblitzenden
hintergründigen
Fleißer'schen Humor. |
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