Joseph
Berlinger
|
![]() |
||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||
Joseph Berlinger zeichnet in seinem Feature die dramatische Lebensgeschichte des Regensburgers Simon Oberdorfer nach. Eine Geschichte, die tragisch endete: Oberdorfer wurde 1943 im Vernichtunglager Sobibor von den Nazis ermordet. Dabei begann alles so euphorisch: Der Velodromgründer, Kunstradfahrer und Varieté-Direktor verpasste seinem Regensburg eine Frischzellenkur. In Oberdorfers architektonisch reizvoller Stadthalle gab es Zirkus und Tanz, Politik und Propaganda, Kunst und Kommerz, Show und Geschäft. Das staunende Publikum erlebte Pistolenkünstler und Blitzdichter, dressierte Wölfe und die Sängerin Lona mit ihrem lichtscheuen Schimmel. Sogar indische Elefanten wurden zu einem Auftritt nach Regensburg gekarrt. Dabei wurden einem der Tiere am Bahnhof, durch einen Aufprall eines Zugwaggons beim Rangieren, beide Stoßzähne aus der Wurzel gerissen. Entwurzelt wurde im Jahre 1939 auch Simon Oberdorfer: von den Nazis aus seiner Heimatstadt vertrieben. Es gelang ihm noch, einen Platz auf dem luxuriösen Ozeandampfer „St. Louis“ zu bekommen. Reiseziel: Kuba. An Bord waren 906 deutsche Juden. Doch im Zielhafen Havanna durften die Passagiere nicht an Land. Und auch die amerikanischen Behörden in Florida wollten die Emigranten nicht aufnehmen. Eine Odyssee begann: mit Verzweiflungstaten und Drohungen der Passagiere, sie würden Massenselbstmord begehen. Auf der Rückfahrt nach Europa plante der mutige Kapitän schon eine vorgetäuschte Havarie in Südengland, da kam die Erlaubnis für eine Landung in Antwerpen. Dort wurden die Juden auf vier Staaten verteilt: Belgien, Holland, Frankreich und England. Die Hoffnung trog. Bis heute rätselt man, warum die Emigranten in Havanna und den USA abgewiesen wurden und warum die Naziführer ausreisewilligen Juden eines ihrer Luxusschiffe zur Verfügung stellten. 2001 erschien ein Buch, in dem der Autor Mautner Markhof eine waghalsige These aufstellte: der deutsche Abwehrchef Canaris, ein heimlicher Sympathisant der verfolgten Juden, habe einen Spionageauftrag konstruiert. Die Besatzung der „St. Louis“ solle filmisches Material über amerikanische Anlagen auf Kuba aus Havanna nach Deutschland schmuggeln. In Wahrheit sei das, so der Buchautor, nur ein Vorwand gewesen, um Goebbels und Göring dazu zu bewegen, das Schiff mit den jüdischen Bürgern ausreisen zu lassen. Die Sprecher sind Irina Wanka, Rüdiger Hacker und Burchard Dabinnus. Daneben kommen Zeitzeugen und Experten zu Wort, unter anderem Georg Reinfelder, Autor eines weiteren Buches über die Irrfahrt nach Kuba, sowie die Velodrom-Forscher Günter Schießl und Hans Dieter Schäfer. Und auch eine Umfrage vor Oberdorfers Gedenktafel ist zu hören. Was wissen Theatergänger über das Gebäude und dessen Gründer? |
|||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||