| Platz
3 der Hörbuch-Bestenliste des Hessischen Rundfunks im Februar 2006 |
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Ludwig
Bemelmans:
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April 1945. In New York erscheint der Roman 'The Blue Danube' von Ludwig Bemelmans, der den Amerikanern die exotische Welt der bayerischen Provinzstadt Regensburg und gleichzeitig den SS-Staat erklärt. 'The Blue Danube' wirft eine satte Idylle hin - die stets ironisch gebrochen ist: Blau ist die Donau allein auf einem verblaßten Wandgemälde, das die Kulisse für die Kapelle im Biergarten 'Zur Blauen Donau' bildet. Der 150-Seiten-Roman spielt etwa 1944 und beginnt in besagtem Biergarten 'Zur Blauen Donau' (womit Bemelmans dem 'Spitalgarten' in Stadtamhof ein Denkmal setzt; aber man kann natürlich auch an den Kneitinger Garten 'Zur alten Linde' am Oberen Wöhrd denken). Dort sitzen jene Bürger von Regensburg, die sich nicht an der Front oder im Konzentrationslager befanden, die genug Geld und Muße sowie die Freiheit hatten, die Schönheit der Brücke und deren Wiederschein zu meditieren, die Rauchwolken der Brauereien zu zählen und sich etwas zu essen zu bestellen. Doch auch das Essen, das es für die wenigen Privilegierten noch gibt, ist in diesen letzten Kriegsmonaten mehr als mager, und so gerät der ganze Biergarten außer Rand und Band, als auf einmal auf der Donau ein Floß mit einem Schwein darauf gesichtet wird. Es beginnt eine allgemeine Jagd auf das Schwein, bei der der Bürgermeister im Eifer des Gefechts in die Donau fällt und das Objekt der allseitigen Begierde entkommt. Das Schwein landet mit seinem Floß auf einer Donauinsel, die von den Fischers bewohnt wird, vier Leuten, die hier den berühmten Regensburger Rettich anbauen. Die Insel ist ein Stachel im Fleisch des Finanzamts, weil sie nirgends registriert ist, niemandem gehört, offiziell also gar nicht existiert und überdies Jahr für Jahr im Hochwasser versinkt (was die Fischers zum Anlaß für eine ausgedehnte Wallfahrt nehmen). Eine Gegenwelt zur übrigen Stadt: Zu irgendeiner Zeit stand jeder Bürger da und schaute auf die Insel. Einige betrachteten sie wie einen palmenumsäumten, weitentfernten Ort, an den sie sich gern geflüchtet hätten; einige, wie Oberassessor Nebenzahl, störte ihre Existenz; Frau Saltner winkte den Bewohnern zu, wenn sie auf ihrem Weg zur Arbeit in den Biergarten über die Steinerne Brücke ging, und das taten auch andere. Vor allem aber erweisen sich die Inselbewohner nicht nur als eigensinnig und archaisch, sondern auch als resistent und renitent gegenüber der Nazi-Herrschaft. Der alte Anton Fischer legt sich mit keinem geringeren als mit dem Gauleiter an, und das auch noch mitten im Biergarten. Dass es daraufhin Ärger gibt, liegt auf der Hand... Für den amerikanischen Geschmack im Frühjahr '45 war das Buch mit zu viel Lokalkolorit geschmückt, mit zu viel Liebe zu Stadt, Land und einigen Leuten, und es zeichnet kein durchgängig klischeehaftes Bild vom 'hässlichen Deutschen’, wie es den seinerzeitigen kulturschaffenden amerikanischen Gepflogenheiten entsprochen hätte. Dem deutschen Publikum auf der anderen Seite wäre das Buch vermutlich – wenn es denn erschienen wäre – in der Nachkriegszeit zu 'unkonventionell’ in seiner Verarbeitung des Nationalsozialismus gewesen, da es sich zwar sehr kritisch mit der deutschen Vergangenheit beschäftigt (die ja bei Erscheinen noch gar keine Vergangenheit gewesen war), allerdings auf ausgesprochen satirische und unterhaltsame Weise – und diese Art des Umgangs mit dem Nationalsozialismus hat man in den 50er, 60er und 70er Jahren doch lieber den Ausländern überlassen, bestenfalls noch Exildeutschen wie Oskar Maria Graf, Walter Mehring oder Ernst Lubitsch. Bemelmans allerdings hat nie auf Deutsch geschrieben, und selbst als der Zeitgeist in Deutschland die Übersetzung von 'The Blue Danube’ zugelassen hätte, ist es zu keiner deutschen Ausgabe des Romans gekommen. Ludwig Bemelmans war zu dieser Zeit bereits gestorben. Das ist denkbar schade, denn 'The Blue Danube’ ist ein sehr hochwertiger Text, literarisch anspruchsvoll und trotzdem äußerst unterhaltsam und kurzweilig. 60 Jahre nach dem Erscheinen der Originalausgabe liegt Bemelmans' Roman nun erstmals auf Deutsch vor. Florian Sendtner ist eine sehr überzeugende Übersetzung gelungen, die das Regensburger Lokalkolorit ausgesprochen charmant in die Sprache überträgt. Ein Großaufgebot an namhaften Regensburger Sprecherinnen und Sprechern macht die 'Die blaue Donau' zu einem ganz besonders 'erlesenen' Hörgenuss: |
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Die eigens für das Hörbuch komponierte Musik von den Negerländern passt in Stimmung, Ton und jeglicher anderen Hinsicht zum Text wie die Faust aufs Auge. Die deutschsprachige Buchausgabe von The Blue Danube erscheint im September 2007 unter dem Titel An der schönen blauen Donau im Insel-Verlag, Frankfurt. Als Bühnenstück wird die blaue Donau in der Bearbeitung von Eva Demski im April 2008 am Theater Regensburg das Licht und die Bretter der Welt erblicken. |
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